Blogletter März/April 2021

Das Wichtigste zuerst

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogletters,

Haben Sie Covid19 durchgemacht? Sind Sie schon geimpft? Wenn nein, haben Sie sich schon registriert bei Ihrem zuständigen Impfcenter? Ein kleines Land im Vorderen Orient mit 7000jähriger Geschichte, das immer wieder durch High-Tech-Leistungen aufhorchen lässt, macht es uns vor: dort wurde innerhalb kürzester Zeit ein Grossteil der Bevölkerung geimpft, sodass nun im Sinne der Herdenimmunität genügend Menschen immunisiert sind. Also: wenn Sie alle drei eingangs gestellten Fragen mit Nein beantwortet haben, melden Sie sich noch heute an unter https://impfzentren.bayern/citizen/

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und Covid19? Meine Recherchen in der weltweit größten medizinischen Datenbank haben ergeben, dass dem nicht so ist. Sehr wohl aber existieren einige Fallberichte, wonach eine akut-subakute Thyreoiditis de Quervain in zeitlichem Zusammenhang mit einer Covid19-Infektion aufgetreten ist. Dies ist sehr wohl plausibel, da schon seit längerer Zeit angenommen wird, dass aufgrund einer genetisch bedingten Empfänglichkeit durch verschiedene Viren (z.B. Parvoviren, Echoviren, Mumpsviren) diese mit anfangs heftigen Schmerzen verbundene Schilddrüsenentzündung auslösen.  

Der grosse Unbekannte

Haben Sie schon einmal von William Miller ORD gehört? Vermutlich nicht. Ein Referent stellte einmal in einem grossen Hörsaal, in dem sich schätzungsweise an die 500 Mediziner und Medizinnerinnen, die sich seit Jahren mit den Erkrankungen der Hormondrüsen befasst hatten, die Frage, wer den „Morbus ORD“ kenne: zögernd gingen zwei bis drei Hände in die Höhe. Der biographische Artikel über diesen britischen Chirurgen und Pathologen bei Wikipedia, der sehr knapp gehalten ist, wurde im Februar 2021 13mal aufgerufen, während der sehr viel umfangreichere Eintrag über den japanischen Chirurgen Hakaru HASHIMOTO, nach dem die sehr bekannte Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die häufig zur Hypothyreose (verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen) führt, benannt ist, im selben Zeitraum 286mal angeklickt wurde.

Der am Londoner St.-Thomas-Hospital tätige Chirurg William Miller ORD beschrieb 1878/79 unter der Bezeichnung Myxödem eine Schilddrüsenerkrankung, bei der es zu teigigen Schwellungen insbesondere im Gesicht und an den Extremitäten kommt. Zugrunde liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) infolge einer Schrumpfung des Organs. Erst ca. drei Wochen vor der Abfassung dieses Blogletters hatte ich einen 54jährigen Mann als Patienten, der unter einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes, verminderter körperlicher Belastbarkeit und Verlangsamung des Herzschlages (Bradykardie) sowie absoluter Arrhythmie litt. Ich stellte eine Hypothyreose fest und verordnete eine angemessen hohe Schilddrüsenhormondosis. Als ich ca. 14 Tage später mit ihm telefonierte, ging es ihm durch die Einnahme der Schilddrüsenhormontabletten schon deutlich besser.

Der Morbus ORD (atrophische Thyreoiditis), die schrumpfende Form einer chronischen Schilddrüsentzündung ist außerordentlich selten und steht in umgekehrtem Verhältnis zu der sehr verbreiteten Angst davor. Unter meinen zahlreichen Schilddrüsenpatienten sehe ich ca. 2 bis 3 pro Jahr, bei denen es zur Schrumpfung der Schilddrüse gekommen ist und bei denen zutreffenderweise die Diagnose Morbus ORD zu stellen ist. Hashimoto, d.h. die nach diesem Herrn benannte Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine vergrößerte Schilddrüse und wird folgerichtig hypertrophische Autoimmunthyreoiditis genannt: Hypertrophie= Vergrösserung eines Organs, Atrophie= Verkleinerung eines Organs.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, und: Bleiben Sie gesund!

Vorheriger Beitrag
Blogletter Januar/Februar 2021
Menü
Call Now Button