Blogletter Juli/August 2021

Eine Geschichte, die das Leben schrieb…

Dieser Tage erzählte mir eine Patientin, sie habe eine massive Hirnblutung erlitten (nachts). Ihr Sohn mit Down-Syndrom, der neben ihr schlief, habe bemerkt, dass etwas nicht stimme und den älteren Bruder alarmiert, der sofort den Notarzt gerufen habe. Durch die rasche Hilfe setzte die Therapie so frühzeitig ein, dass ihr jetzt nichts mehr anzumerken ist. Menschlich anrührend, und im Zusammenhang mit den Erkrankungen der Schilddrüse deswegen interessant, weil Patienten bzw. Patientinnen mit Trisomie 21, wie das Down-Syndrom auch genannt wird, häufig an einer Autoimmunthyreoiditis (chronische Entzündung der Schilddrüse auf autoimmuner Basis) leiden. Die sich daraus ergebende Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddrüse) wird von mir optimal eingestellt, damit die noch vorhandenen Ressourcen hinsichtlich der geistigen Leistungsfähigkeit maximal im Rahmen des Erreichbaren ausgeschöpft werden können

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)

In letzter Zeit werde ich förmlich überschwemmt mit Patientinnen und Patienten, die an einer Überfunktion der Schilddrüse leiden. Von elementarer Bedeutung ist die genaue diagnostische Einordnung, damit die zielführende Therapie eingeschlagen werden kann. Nicht selten komme ich aufgrund meiner fachärztlichen Untersuchung, die häufig auch eine Schilddrüsenszintigraphie an meiner speziellen Schilddrüsen-Gammakamera umfasst, zu einer Diagnose, die von der Überweisungsdiagnose oder der Diagnose, unter der die Patienten bzw. Patientinnen bisher liefen, abweicht. Nicht jede Hyperthyreose bedarf einer Therapie mit einem der eingeführten Thyreostatika wie z.B. Carbimazol, Thiamazol, Propycil oder Irenat. Dies ist deshalb so wichtig, weil es verhältnismäßig häufig zu Allergien gegen ein Thyreostatikum kommt. Auch diese Fälle häufen sich bei mir in letzter Zeit. Ich kann deshalb nur jedem Patienten, jeder Patientin raten, die Diagnose einer Hyperthyreose durch eine nuklearmedizinische Schilddrüsenuntersuchung absichern zu lassen. Dem Endokrinologen geht die Möglichkeit der Schilddrüsenszintigraphie ab, die speziell bei Schilddrüsenknoten unverzichtbar ist.

Ein Beispiel für eine nicht sinnvolle Therapie bei einer Hyperthyreose: bei einem Patienten mit einer Immunhyperthyreose, der mich neulich in meiner nuklearmedizinischen Schilddrüsensprechstunde aufsuchte, war ein völlig harmlos ausschauender, gutartiger Knoten mit einer Radiofrequenzablation, also vermittels einer Sonde, die eine hohe Wärmeenergie abgibt, in einer chirurgischen Klinik therapiert worden. Das ist nicht wirklich zielführend, da die vermehrte Schilddrüsenhormonproduktion, das wesentliche Merkmal einer Hyperthyreose, die gesamte Schilddrüse betrifft.

Es ist Sommer, Sie haben vielleicht auch noch etwas Anderes vor, als sich mit Schilddrüsenthemen zu befassen. Im nächsten Blogletter, dann schon voraussichtlich bei insgesamt gemäßigteren Temperaturen und, das ist gewiss, geringerer körpereigener Vitamin-D-Produktion, werde ich mich voraussichtlich einem wichtigen, aber nicht ganz trendigen Thema widmen, den sogenannten Kropfnoxen.

Es grüßt Sie

Ihr nuklearmedizinischer Schilddrüsenexperte Dr. Wolfgang Braun, Augsburg

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